
Nach der General- probe vor zwei Jahren hat electra nun - erst-mals seit 15 Jahren - wieder ein richtiges Jubiläum gefeiert.
Dabei schien es doch, als habe die Geschichte der Dresdner Band mit dem 89er Konzert im Kulturpalast einen letzten Höhepunkt erfahren. In negativer Hinsicht den,
dass sie vom Moderator des Abends erfuhr, Manuel van Senden habe das große Glück, fortan in der Semperoper singen zu dürfen...
Damals sprang zwar Stefan Trepte ein, spontan und voller Tatendrang, doch bald darauf standen die Zeichen für Ost-Rock auf Niedergang.
Bernd Aust und seine Mitstreiter wollten es sich im Unterschied zu manchen Kollegen nicht antun, am Ende vor leeren Hallen zu vor einem Häuflein Aufrechter
zu spielen und zogen sich aus dem professionellen Geschäft zurück. Ein fertig eingespieltes Album blieb im Studio liegen. Doch inzwischen haben sich die Zeiten
offenbar normalisiert. Mit gelegentlichen, nun rein freudbetonten Auftritten ist electra seit Jahren wieder auf der Bildfläche, bis vor kurzem offenbar ohne
den Anspruch, noch einmal ganz neue Kapitel der Bandgeschichte zu schreiben. Abgeschlossen in einer schönen Acht-CD-Box plus einem Doppler mit Singles und Raritäten
ist diese nun für jedermann greifbar. Abgeschlossen - wäre da nicht das Album "Der aufrechte Gang" das noch nie richtig im Licht der Bühne gestanden hatte.
Mit ihm endete ein audiovisueller Trip durch die Geschichte von electra, und mit dem Titelsong begann auch der Live-Teil des dreistündigen Konzertabends am Sonnabend
im Alten Schlachthof. Bernd Aust, so aufgekratzt und inspiriert wie in alten Zeiten, führte durch ein mit vielen Extras gespicktes Programm und begann
mit eine im Verweis Brian Wilson, der sein Mitte der 60er Jahre entstandenes "Smile" auch erst in diesem Jahr aufführte. Dagegen nähmen sich die 14, 15 Jahre,
die electras bislang letzte Einspielung auf Eis lag, doch bescheiden aus.
Nicht Schwelgen in Erinnerungen, sondern Release-Party war also angesagt. electra zurück auf der Bühne, für die Perfektion von Präsentation und Sound wurde mehr
Aufwand getrieben als für die musikalischen Proben. Ehrensache für Konzertveranstalter Bernd Aust. Das Ergebnis war eine Show ohne Hänger und Stockungen,
trotz der manchmal stark kontrastierenden Teile nicht nur kurzweilig, sondern wie aus einem Guss.